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Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren!

Herr Minister, Sie haben in Ihrer Rede deutlich gemacht, dass Sie das BMWi in erster Linie als Mittelstandsministeri­um verstehen.Ich würde sagen, es stimmt: Wenn wir in Zukunft nachhaltig mit erfolgreichen Produkten vorkom­men wollen, dann muss der Mittelstand jetzt zur Digita­lisierung forschen, ressourcenschonendere Prozesse ent­wickeln und auch in Energieeffizienz investieren. All das ist mit Blick auf den Mittelstand richtig. Ich möchte Ihnen ein paar konkrete Vorschläge ma­chen, damit Sie da handeln, wo der Schuh drückt.

Erstens.Die steuerliche Forschungsförderung ist allen bekannt, und Sie wollen sie auch einführen.Sie stand im letzten Koalitionsvertrag, ist aber nicht gekommen. Sie ist jetzt nicht etatisiert, sie gehört nicht zu den soge­nannten prioritären Maßnahmen im Finanztableau. Das heißt, wenn die steuerliche Forschungsförderung nicht spätestens 2019 in trockenen Tüchern ist, müssen wir wahrscheinlich damit rechnen, dass das Projekt in dieser Legislaturperiode wieder nichts wird, und dann drückt der Schuh weiter an dieser Stelle, Herr Minister. (Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) Zur Forschungsförderung gehört aber auch die Pro­jektförderung, etwa im Rahmen des Programms ZIM und der Industriellen Gemeinschaftsforschung.Sie müssen und sollten auf höherem Niveau fortgesetzt werden und dürfen jetzt nicht unter der Ankündigung der Einführung der steuerlichen Forschungsförderung leiden; aber diesen Anschein erweckt der Etat.

Besonders möchte ich hier kritisieren, dass Sie zwar auch davon sprechen, wie wichtig es ist, Start-ups und Gründer zu unterstützen, aber nicht verhindern, dass zum Beispiel das Programm EXIST, das Ausgründungen von Universitäten und Forschungseinrichtungen fördert, komplett unterfinanziert ist. Man bräuchte von der Nach­frage her eigentlich doppelt so viel, also 40 Millionen Euro mehr.Bei Ihrem großen Etat - Frau Bluhm hat es dargestellt - müsste das eigentlich locker drin sein.Ich fordere Sie auf, hier wirklich etwas zu tun.

Herr Minister, ein zweiter großer Posten in Ihrem Haushalt ist die Luft- und Raumfahrt: 1,7 Milliarden Euro. Sie haben da in den ersten Monaten Ihrer Amts­zeit eigentlich schon eine Menge zu tun. Ich sage mal: Air Berlin, A380, Ariane. Man könnte witzig sagen, hier müsste an einem Triple A noch heftig gearbeitet wer­den. Bei Air Berlin werden wir auf einer Restschuld von 89 Millionen Euro sitzen bleiben. Der Bundesrechnungs­hof prüft hier zum Glück noch, ob die Bundesregierung da - auch mit Ihrer Unterstützung - wirklich rechtmäßig und richtig gehandelt hat.Ich erwarte da auch von Ihnen persönlich eine wirkliche Aufarbeitung, Aufklärung und Stellungnahme.

Die WTO hat jüngst entschieden, dass die öffentlichen Subventionen für Airbus nicht rechtmäßig waren. Wir müssen damit rechnen, dass es zu Handelssanktionen seitens der Amerikaner kommt; Sanktionen im Umfang von 7 bis 10 Milliarden Dollar stehen da in Aussicht.Wir haben jetzt erfahren, dass der Darlehensvertrag für den A380 in Ihrem Hause ganz kurzfristig überarbeitet wird.Das wäre ja erstmal okay, aber wir werden da im Haus­haltsausschuss schon wieder gedrängt.Wir wurden nicht sorgfältig einbezogen, aber sollen kurzfristig den Dar­lehensvertrag in einer veränderten Weise zur Kenntnis nehmen bzw.billigen. Hier geht es um mögliche Darle­hensverluste von mehreren Hundert Millionen Euro. Das sind Darlehen für die Entwicklung des A380, bei dem es Absatzprobleme gibt.Man muss mit solchen Proble­men vernünftig umgehen.

Ich fordere Sie auf: Sorgen Sie in Ihrem Haus für Sorgfalt und Ruhe, anstatt wichtige Verträge hektisch durchzuwinken - gerade in Zeiten, in denen man so ein belastetes Verhältnis zu den Amerika­nern hat. Ich kann Ihnen nur sagen: Was ich da gestern und die letzten Tage erlebt habe, war nicht in Ordnung. Kümmern Sie sich darum!

Beim Thema Ariane 6 müssen wir auch aufpassen.Wenn wir eine teure neue Rakete bauen lassen, bei der es im Vergleich zur etwas veralteten Ariane 5 um die Hälfte billiger sein wird, zum Beispiel einen Satelliten ins All zu befördern, dann erwarte ich, dass die Aria­ne 6 in Zukunft auch genutzt wird. Je öfter sie anstatt der Ariane 5 eingesetzt wird, desto weniger teuer ist es für den Steuerzahler. Ich spreche das hier an, weil wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass öffentliche Auftrag­geber, auch aus Deutschland, vermeintlich aus Kosten­gründen die Angebote amerikanischer Konkurrenten nutzen. Diese Angebote sind nur vermeintlich günstiger, denn da wird ordentlich quersubventioniert. Deswegen müssen die Bundesregierung und die Europäische Union bei der selbstentwickelten Ariane-Rakete im Sinne einer eigenen europäischen unabhängigen Raumfahrt agieren.Wir können das Projekt nur mittragen, wenn die Rakete auch zum Einsatz kommt.Sonst können wir den Traum von der eigenen europäischen Raumfahrt vergessen. Hier besteht wirklich Handlungsbedarf. Allerletzter Punkt. Der kommt zum Schluss. - Zum Thema Energieeffizi­enz. 30 Prozent der Mittel Ihres Haushalts werden für die Förderung von Energieeffizienz eingesetzt. Dazu haben Sie aber in Ihrer Rede nichts gesagt.Das Problem ist: Es wird viel Geld für die Energieeffizienz bereitgestellt, aber die Mittel fließen nicht ab. Der Anteil von erneu­erbaren Energien ist eigentlich erhöht worden, um den durch die 2015 eingeführte Kohlereserve verursachten CO2-Ausstoß zu kompensieren.Wenn das Geld liegen bleibt, wenn Sie sich nicht darum kümmern, dass die Mittel abgerufen werden, und Sie hier nicht einmal über das Thema reden, dann werden wir unsere Klimaschutz­ziele nicht erreichen können.An dieser Stelle besteht also großer Nachbesserungsbedarf. Aber, Herr Altmaier, Sie fangen in Ihrem Haus erst an. Ich habe aber noch Hoffnung. Die Bilanz muss besser werden.

Ich habe aber noch Hoffnung. Die Bilanz muss besser werden.

Anja Hajduk im Bundestag

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